• Kennen Sie GIGV?

Als eine der letzten Initiativen der alten Administration unter Jens Spahn trat im Herbst vergangenen Jahres eine Verordnung in Kraft, die Herstellenden und Nutzenden  von Healthcare-IT-Anwendungen in den kommenden Monaten und Jahren noch beschäftigten dürfte: Die Gesundheits-IT-Interoperabilitäts-Governance-Verordnung, kurz GIGV. Große Wahrnehmung hat die GIGV bisher allerdings nicht erfahren. Zeit also, sich des Themas einmal anzunehmen.

Seit dem 15. Oktober 2021 gilt die neue Verordnung, die – grob formuliert – die Welt der Spezifikationen im Gesundheitswesen in Deutschland besser regeln soll. Während das „vesta Verzeichnis“ einen Überblick über alle Standards liefern soll, definiert die GIGV, wie zukünftig Spezifikationen und verbindliche Festlegungen erarbeitet werden sollen.

Koordinierungsstelle, Gremien und Kreise

Basis dafür soll das Zusammenwirken unterschiedlicher Instanzen sein, die ihre Expertise am runden Tisch einbringen, diskutieren und eine für alle gute Lösung entwickeln. Dreh- und Angelpunkt dafür – so gibt es die Verordnung vor – soll die gematik als Koordinierungsstelle sein. Ihr wird ein Expertengremium beiseitegestellt, dessen Aufgabe es ist, zusammen mit der Koordinierungsstelle Bedarfe und Anforderungen, Richtlinien und Leitlinien von technischen, semantischen und syntaktischen Standards, Profilen und Leitfäden zu identifizieren, priorisieren und fortzuschreiben. Das Expertengremium soll interdisziplinär zusammengesetzt sein und aus sieben ordentlichen Mitgliedern bestehen. Die gematik und das Bundesministerium für Gesundheit können als außerordentliche Mitglieder des Expertengremiums auftreten. Um die Interdisziplinarität zu gewährleisten, wird das Expertengremium aus verschiedenen Gruppen des Gesundheitswesens zusammengesetzt, die in der Verordnung in § 5 benannt werden. Eine konkrete Ausgestaltung erfolgt dann in Experten-Arbeitsgruppen, die aus dem sogenannten IOP-Expertenkreis rekrutiert werden.

Kurz: Es werden ziemlich viele Expertinnen und Experten am Werk sein. Wer diese sind, steht noch nicht vollständig fest. Der Bundesverband Gesundheits-IT bvitg e. V. mahnte bereits, den Stimmen der Expertinnen und Experten  letztlich auch wirklich Gehör zu verschaffen und ihre Expertise in die Ausarbeitung einfließen zu lassen. Wünschenswert ist dies natürlich nur, wenn im Gremium und in den Kreisen eine ausgewogene Mischung aus Kennerinnen und Kennern des Marktes sitzt. Also sowohl aus der Industrie, der Praxis, der Wissenschaft und aus vorhandenen Institutionen und Verbänden.

Abgerundet wird das Konzept durch den Aufbau einer „Wissensplattform für Interoperabilität“. Diese dient laut Bundesministerium für Gesundheit „im Sinne einer Weiterentwicklung von vesta als erste Anlaufstelle im Markt, bietet als Nachschlagewerk sowie Analyse-Werkzeug Orientierung und stellt die umfassende Transparenz der Struktur und Ergebnisse der Governance sicher.“

Kritik ließ nicht lange auf sich warten

Wo eine neue Verordnung, da auch neue Kritik. Und so wurde auch im Falle der GIGV noch vor Inkrafttreten von mehreren Seiten Unmut laut. Dieser bezog sich vor allem auf die zentralistische Stellung der gematik, die bei der Besetzung der Expertinnen und Experten an den strategischen Stellen in der Koordinierungsstelle und den Kreisen zu viel Entscheidungskompetenz haben soll. Der bvitg kritisierte konkret, dass dem Konzept für mehr Interoperabilität, das gemeinsam mit Bitkom und gematik entwickelt wurde, durch die GIGV zum Teil widersprochen wurde.


 

Die GIGV im Überblick

  • Die GIGV definiert Strukturen, die für mehr Interoperabilität im Gesundheitswesen sorgen sollen.
  • Kernpunkt ist eine zentrale Koordinierungsstelle, die bei der gematik angesiedelt ist.
  • Ein siebenköpfiges Expertengremium steht der gematik beratend zur Seite.
  • Gemeinsam wird bestimmt, welche Prozesse einer verbindlichen Standardisierung bedürfen, welche Standards erforderlich sind und welche Standards konkret für welche Szenarien verwendet werden sollen.
  • Eine Erarbeitung findet in speziellen Arbeitsgruppen statt.


Wer sich detaillierter für die GIGV interessiert oder sich als Expertin oder Experte bewerben möchte, findet hier weitere Informationen: