Der Assistent auf dem Smartphone
Mehrere europäische Teams der CGM arbeiten an KI-gestützten Werkzeugen für Abläufe in Kliniken und Praxen. Dr. Jana Schmidt koordiniert ihre Arbeit und kennt die Erfolgsfaktoren daher genau.
Wir kennen es alle: Bis zu 60 % ihrer Arbeitszeit erbringen Healthcare Professionals mit der Dokumentation ihrer Arbeit anstatt mit ihren Patientinnen und Patienten. Eine irrsinnige Verschwendung, die wir schnellstens beenden sollten. Aber wie? Die CGM ist überzeugt, dass KI ein Teil der Lösung sein kann.
Schon heute bieten wir unseren Kliniken und Praxen auch jenseits des radiologischen Bilddatenmanagements eine Reihe von KI-unterstützten Werkzeugen für ihre Abläufe. Der neue Service zur Erleichterung der Dokumentation, den wir in einem europäischen Team entwickelt haben, heißt „Voice2Docu ASSIST“. Derzeit testen ihn Krankenhäuser in Polen und Spanien im Pilotbetrieb. Die Idee: Direkt im Formular des KIS starte ich die Funktion und sobald ich anfange zu sprechen, beginnt die KI mit der Arbeit und speichert die Informationen im Formular – nach der Prüfung des jeweiligen Healthcare Professionals.
Der CGM HEATH ASSISTANT erkennt, was Nutzer wollen
Dieser Service ist Teil einer Vision, die wir CGM HEALTH ASSISTANT nennen und ebenfalls schnellstmöglich in die Praxis bringen wollen. Er basiert auf einem Agentensystem, das User als App mit einer schlanken Oberfläche erleben. Tippe ich das App-Icon an und beginne zu sprechen, erkennt das System anhand von Begriffsmustern, was ich will – jeweils nach Rollen differenziert. Schließlich haben Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal, das Controlling und natürlich auch die Patientinnen und Patienten unterschiedliche Anforderungen an ein solches Tool.
Klingt zu schön, um funktionieren zu können? Falls Sie dies gerade denken, gebe ich Ihnen in einer Hinsicht Recht: Wir Entwicklerinnen und Entwickler sollten uns davor hüten, überzogene Erwartungen zu wecken – und uns immer daran erinnern, dass KI nur dann sinnvoll ist, wenn sie einen spürbaren, am besten messbaren Mehrwert liefert. Bei CGM haben wir dazu eine Reihe von spezifischen KPIs definiert, z. B. „Accuracy“ und „Consistency“. Und wenn, wie geschehen, unsere Lösung anfangs nur 40 % der Medikamentennamen richtig erkannte, reichte die Accuracy eben bei weitem nicht aus. (Inzwischen liegen wir bei 85 %.)
Genauso wichtig wie den Nutzen einer KI zu validieren, ist es, ihre Grenzen auszuloten. Regelmäßiges Feedback ist ohnehin elementar für jede KI-Einführung. Nie sollten Anbieter vergessen, dass die wahren Expertinnen und Experten für das, was in einem Krankenhaus oder einer Praxis passiert, diejenigen sind, die dort arbeiten. Umso wichtiger, sich als Team zu verstehen und zusammen Lösungen zu bewerten und kontinuierlich zu verbessern.
Fangen Sie in Sachen KI am besten klein an
Für Führungskräfte in Gesundheitseinrichtungen bedeutet das aus meiner Erfahrung: Fangen Sie in Sachen KI am besten klein an, mit einem oder wenigen Services, in einer Abteilung und über einen überschaubaren Pilotzeitraum. Versuchen Sie, Vertrauen bei den Usern aufzubauen, Hindernisse ernst zu nehmen und Lösungen mit den Nutzenden zu prüfen. Kürzlich habe ich miterlebt, wie bei einer Umfrage auf einem Sozialkongress, Bedenken bezüglich des Datenschutzes und die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes als Hauptsorgen vor der KI genannt werden. Solche Bedenken muss man ernst nehmen.
Übrigens: Dass unsere Pilotkrankenhäuser nicht in Deutschland stehen, ist organisatorischen Zufällen geschuldet und keinesfalls der berüchtigten deutschen Zögerlichkeit bei digitalen Innovationen. Die nehme ich in meinen Gesprächen nämlich nicht wahr, das Interesse an KI-Lösungen ist sehr hoch. Und falls auch Sie zu denen gehören, die einfach mal ausprobieren wollen, ob z. B. „Voice2Docu ASSIST“ Ihrer Einrichtung Mehrwert bringt, freuen wir uns auf Ihre Nachricht. Ob gesprochen oder geschrieben.

„Regelmäßiges Feedback ist elementar für jede KI-Einführung.“
Dr. Jana Schmidt
Senior Product Manager AI bei CGM
Dr. Jana Schmidt ist bei der CompuGroup Medical (CGM) verantwortlich für die KI-Entwicklung im Bereich der Krankenhausinformationssysteme – und hier besonders für den CGM HEALTH ASSISTANT. Dazu koordiniert sie mehrere europäische Teams, von denen jedes einzelne Use Cases oder auch Skills des CGM HEALTH ASSISTANT entwickelt. Ihr Ziel ist es, die verschiedenen Services sicher und transparent zu entwickeln und ihre Qualität messbar zu machen.