Die vielen Wege des MIO

Die vielen Wege des MIO

Der Bild- und Befundaustausch soll künftig über kleine digitale Informationsbausteine (MIO) und möglichst automatisiert erfolgen. Ein Expertenkreis um unseren Innovationsleiter Dr. Marc Kämmerer definiert dafür Use Cases.

Gelingt die digitale Interoperabilität? Das ist fraglos eine der entscheidenden Fragen für ein effizienteres Gesundheitssystem. In Deutschland sollen MIO ein Teil der Antwort sein. Die Abkürzung steht für Medizinische Informationsobjekte und beschreibt kleine digitale Informationsbausteine, die für jedes System lesbar und bearbeitbar und damit nahezu universell verwendbar und kombinierbar sind.

Vor sechs Jahren hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), von der das Konzept des MIO stammt, mit dem Impfpass, dem Zahnärztlichen Bonusheft, dem Mutterpass und dem Kinder-Untersuchungsheft die ersten dieser Objekte festgelegt. Sie können in der elektronischen Patientenakte (ePA) gespeichert werden. Die mio42 GmbH arbeitet an weiteren Informationsobjekten, die künftig ganz einfach zwischen den einzelnen Akteuren im Gesundheitswesen ausgetauscht werden sollen. Dabei kooperiert sie mit der KBV sowie zahlreichen Expertinnen und Experten aus den jeweils einschlägigen Berufsverbänden und Branchen.

Gut 50 Expertinnen und Experten sind beteiligt

Auch für den radiologischen Befundbericht besteht eine Projektgruppe, die aus 49 Personen von je 14 Anwendereinrichtungen und Herstellern sowie der mio42 GmbH besteht. Geführt wird die „MIO Bild- und Befundaustausch/MIO Image and Report Exchange (MIO-X)“ von unserem Innovationsleiter Dr. Marc Kämmerer in seiner Funktion als Vertreter AG IT der Deutschen Röntgengesellschaft. 

Gerne würde Marc Kämmerer bereits Vollzug melden, im Laufe des vergangenen Jahres aber habe sich gezeigt, dass noch mehr Detailarbeit als ursprünglich gedacht zu verrichten sei. „Die Aufgabe der MIO-X Arbeitsgruppe besteht darin, den Transportweg der Daten zu bestimmen. Und die große Herausforderung liegt in der Vielzahl der Wege, die ein MIO Bild und Befundaustausch nehmen kann.“

Das Wunschszenario klingt vielversprechend: Die in den MIO strukturiert aufbereiteten Daten können direkt in Praxis- oder Krankenhaussysteme übernommen werden, sorgen durch eine medienbruchfreie Übermittlung für weniger Dokumentationsaufwand und unnötige Doppeluntersuchungen, verbessern die Grundlage ärztlicher Entscheidungen und erleichtern den intersektoralen Informationsfluss.

Das Ziel ist die automatische Nutzung von DLX

Doch dafür muss im Falle der radiologischen Bild- und Befunddaten am Ende rund ein halbes Dutzend an Use Cases definiert werden. Grundsätzlich geht es immer darum, den Zugang zu radiologischen Bilddaten mittels DICOM Link Exchange (DLX) – also den Ersatz der heute vielfach noch gängigen Patienten-CD – gemeinsam mit dem Bildbefund zu versenden und zu speichern. Damit sind auf dem gegenwärtigen Stand drei Instanzen bzw. Systeme involviert: ein PACS, aus dem typischerweise die Bilddaten stammen, ein RIS, in dem der Befundbericht angesiedelt ist, und der Anbieter des DLX-Links. „Um ihr Zusammenspiel zu gewährleisten, benötigen wir eine automatisierte Kommunikation zwischen den Systemen“, erklärt Marc Kämmerer. 

Um die dafür nötigen Spezifikationen zu bestimmen, arbeitet der von ihm geleitete Arbeitskreis DLX am DIN-Normenausschuss Radiologie (NAR) an der Erweiterung der bestehenden DIN/TS 19455 (DLX). Die Neuerungen werden die Norm insbesondere um Use Cases für die vollständig automatisierbare Nutzung von DLX ergänzen.

Drei Fliegen mit einer Klappe?

Im Idealfall stellt sich die „iterative Schleife“, die Marc Kämmerer und seine Kolleginnen und Kollegen gerade drehen, noch als sehr praktisch heraus – dann nämlich, wenn es gelingt, gleich drei Wege auf einmal zu beschreiben: den Datenaustausch über den KIM (der E- Mail-Standard der gematik), den Datenaustausch über die ePA – und den Austausch im Rahmen des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS). Denn ab 2031 sollen medizinische Bilddaten und Befunde hierüber europaweit ausgetauscht werden.

Dr. Marc Kämmerer
„Unsere Aufgabe besteht darin, den Transportweg der Daten zu bestimmen.“

Dr. Marc Kämmerer

Leiter der Arbeitsgruppe MIO-X