Und wie sieht Ihre Klinik morgen aus?
Die deutsche Kliniklandschaft steht vor mächtigen Umbrüchen. Doch wer sich jetzt am gesetzlichen Rahmen orientiert und Fördertatbestände gezielt nutzt, kann sein Haus zukunftsfähig aufstellen. Überlegungen zu einem „Fahrplan 2030“.
Deutschland hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich viele Krankenhäuser und Krankenhausbetten – doch nicht automatisch eine bessere Versorgung: Trotz hoher Belegungszahlen sind die Betten nur mittelmäßig ausgelastet, was zu hohen Ausgaben für die stationäre Versorgung führt und einen effizienten Einsatz des medizinischen Fachpersonals erschwert.
Das Ende 2024 verabschiedete Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) zielt daher auf die Konzentration akutstationärer Versorgungskapazitäten, auf die Schließung von Krankenhäusern in Gebieten mit hoher Krankenhausdichte, auf den Abbau von Doppelstrukturen, auf die Umstrukturierung von Krankenhäusern in sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen, auf die Förderung telemedizinischer Netzwerkstrukturen und auf weitere an einer bedarfsgerechten, qualitativ hochwertigen Versorgung ausgerichteten Fördertatbeständen ab.
Wo sollen Verantwortliche beginnen?
Die wesentlichen Erfolgsparameter bis 2030 betreffen demnach strukturelle, technologische, personelle und organisatorische Aspekte. Eine Neuausrichtung ist dringend geboten. Doch wo sollen Verantwortliche beginnen? Ganz klar: beim Status quo. Nur auf Basis einer ehrlichen Bestandaufnahme der Ist-Situation und einem klaren Soll-Bild auf Grundlage einer individuellen Potenzialanalyse lässt sich ein zukunftssicheres Konzept für die betroffenen Gesundheitseinrichtungen erstellen. Das KHVVG und die in der damit verbundenen Krankenhaustransformationsfondsverordnung (KHTFV) definierten Fördertatbestände geben gute Orientierung, welche Handlungsfelder anzugehen sind.
Eine Neuausrichtung der einzelnen Gesundheitseinrichtungen bedeutet jedoch nicht, einfach „nur“ die einzelnen Förderthemen zu bewerten und ggf. umzusetzen. Die strategische Herausforderung ist tatsächlich deutlich größer. Während das KHVVG auf eine strukturierte, bedarfsgerechte Krankenhausversorgung durch Einführung von Leistungsgruppen, stärkere Qualitätssicherung und Zentralisierung abzielt, regelt die KHTFV die Vergabe von Mitteln aus dem Krankenhaustransformationsfonds (50 % Bund, 50 % Länder) und fördert gezielt die:
- Ambulantisierung
- Digitalisierung
- Vernetzung und sektorenübergreifende Versorgung
- die qualitätsorientierte Strukturentwicklung (inkl. Rückbau von Über-/Fehlkapazitäten)
Das KHVVG gibt demnach die Richtung vor, während die KHTFV konkrete
Mittel bereitstellt, um die Transformation finanziell zu unterstützen. Wer bis 2030 effizient und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten will, muss sich strategisch an diesen Rahmenbedingungen orientieren und gezielt Fördermittel nutzen.
Ein genauer Blick auf die Förderthemen lohnt sich
Ein genauerer Blick auf die Förderthemen des KHTFV lohnt sich also zweifelsfrei – denn all diese Themencluster bilden grundsätzlich einen guten Überblick über jene Schwachpunkte, die in deutschen Kliniken heute erkennbar sind. Diese Themencluster auf die jeweilige Ist-Situation der Klinik zu übertragen, macht jedenfalls Sinn, um Ansatzpunkte zu Verbesserungen zu finden, die noch dazu gefördert werden. Unumgänglich wird es jedenfalls sein, eine (von der jeweiligen Ausgangssituation und strategischen Zielsetzung der einzelnen Klinik abgeleitete) Priorisierung durchzuführen. Denn das Budget zur umfassenden Sanierung, Neuausrichtung und -positionierung fehlt an allen Ecken und Enden!
Daher muss abgewogen werden, wo man in strategischen Schritten gezielt investiert und welche operativen Herausforderungen man dabei berücksichtigen muss:
- Welche Ansatzpunkte sind für meine Klinik tatsächlich erfolgsentscheidend?
- Wo kann ich wirklich sinnvoll ansetzen, um meine Klinik zukunftsfähig aufzustellen?
- Wie muss ich meine Klinik mittel- und langfristig positionieren, um im Wettbewerb bestehen zu können?
Diese Ansätze sind weder neu noch innovativ. Sie sind notwendige betriebswirtschaftliche Hausaufgaben. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Möglichkeiten, die sich aus dem KHVVG und dem KHTFV ergeben, mit den beschrieben Erfolgsfaktoren in Bezug zu setzen und systematisch anzugehen (s. Tabelle).