• ePA2021 aus Sicht des Krankenhauses

Lieber früh partizipieren als spät antizipieren: So lautete die Devise der Sana IT Services GmbH mit Blick auf die geplante Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA). Bereits 2016 machte sich das Unternehmen der Sana Kliniken AG gemeinsam mit Partnern daran, eine ePA zu entwickeln. Heute ist die Pilotphase abgeschlossen und der Rollout über alle 53 Sana-Häuser steht bevor.

Die ePA aus Krankenhaussicht

Vor etwas über drei Jahren machte sich die Sana IT Services GmbH gemeinsam mit der AOK Nordost und Vivantes auf den Weg in Richtung elektronische Patientenakte. Der erste Schritt war relativ überschaubar und bestand in der Abbildung des Anwendungsfalls „Meine Schwangerschaft plus“, aus dem dann später das Gesundheitsnetzwerk "GeN" der AOK Nordost entstand. „In dieser ersten Zeit haben wir wahnsinnig viel gelernt. Unter anderem darüber, wie wir es schaffen können, Daten aus unseren Häusern ePA-konform bereitzustellen. Später kam mit Vivy ein Aktenanbieter mit einer vergleichbaren Idee auf uns zu. Und wir sind auch hier die Partnerschaft eingegangen, um die Herangehensweise anderer Anbieter kennenzulernen und herauszufinden, was das für uns und unsere Schnittstellen bedeutet“, erinnert sich Bernd Christoph Meisheit, Geschäftsführer der Sana IT Services GmbH. 

Bernd Christoph Meisheit – Geschäftsführer der Sana IT Services GmbH
„Wir blicken optimistisch auf den Startschuss der gematik-ePA.“

Bernd Christoph Meisheit

Geschäftsführer der Sana IT Services GmbH

Eine Spazierfahrt war dieser erste Teil der Reise keineswegs. Neben der Schnittstellen- und Datenübertragungsthematik sah sich das Projektteam mit allgemeinen und föderalen Datenschutzaspekten, IT-Sicherheitsfragen und Anforderungen aus den Landeskrankenhausgesetzen konfrontiert. „Nicht zu vergessen das sogenannte Onboarding der Patienten, das eine überraschend große Herausforderung darstellte. Im Spezifikationskatalog der gematik umfasst dieser Themenkomplex etwa eine halbe Seite. Oder anders formuliert: Er war recht kurz gedacht. Alle Projektparteien mussten noch sehr viel Detailarbeit leisten, um tragfähige Lösungen zu entwickeln“, erklärt Bernd Christoph Meisheit. Abseits davon wuchs die entscheidende Erkenntnis in dieser Anfangsphase recht schnell: In einer heterogenen IT-Landschaft wie der eines Krankenhauses ist es kaum realisierbar, jedes System einzeln an die Telematikinfrastruktur (TI) anzubinden.

E-Health Network: Daten erst konsolidieren, dann kommunizieren 

Die Sana IT Services GmbH entschied sich darum für den Aufbau einer Kommunikationsplattform, dem Sana E-Health Network. Alle medizinischen Daten aus den Primärsystemen wie dem KIS und auch die aus den Subsystemen fließen in dieses Netzwerk. Von hier werden sie dann zentral über die TI oder andere dedizierte und hochsichere Verbindungen an die ePA übergeben. Bernd Christoph Meisheit: „Pro Krankenhaus gibt es einen Anschluss an das Sana E-Health Network, in dem alle Dokumente enthalten sind – vom Laborbericht bis zum Entlassbrief. Auf Basis von IHE und FHIR kommuniziert diese Plattform mit der ePA. Unter der Plattform ist ein Repository angelegt, das sowohl Daten senden als auch empfangen kann, strukturiert und unstrukturiert. Unser Anspruch ist nämlich, künftig auch Daten aus der ePA heraus für die Versorgung in unseren Häusern nutzen zu können.“ In der Praxis sieht es dann so aus: Die ePA stellt die Anfrage nach bestimmten Dokumenten an das Sana E-Health Network eines Standorts, dieses holt sich die Informationen aus dem Repository – nicht aus dem KIS oder KAS – und schiebt sie über die TI in die ePA der einzelnen Versicherungen. 

Ready for Rollout – und für vieles mehr 

Nachdem diese Vorgehensweise im Sana-Krankenhaus in Berlin-Lichtenberg pilotiert wurde, geht es nun in den Rollout über alle Krankenhäuser hinweg. „Das Sana E-Health Network ist produktiv, wir gehen jetzt daran, die Systeme der Häuser anzuschließen, um die Repositories zu füllen und in den Datenaustausch mit der TI gehen zu können“, so der Geschäftsführer der Sana IT Services. Natürlich würde auch er sich wünschen, dass die TI-basierte elektronische Patientenakte zum 1. Januar 2021 mit mehr Funktionen als den bisher geplanten an den Start geht. Bernd Christoph Meisheit sieht es aber positiv und begrüßt, dass es jetzt überhaupt losgeht.

Die Zuversicht rührt auch daher, dass die Sana – ebenso wie andere große Kliniken und Ketten – gemeinsam mit den Krankenkassen als Aktenanbieter zweigleisig fährt: Auf der einen Seite wird eine Akte in 100-prozentiger Übereinstimmung mit den Anforderungen der gematik aufgebaut. Auf der anderen Seite wird weiter an den versicherungsspezifischen Akten gearbeitet, die schon heute weit mehr Informationen umfassen und deutlichere Mehrwerte für den Patienten bieten. „Wir blicken optimistisch auf den Startschuss der gematik-ePA im Jahr 2021 und auch auf deren Weiterentwicklung.

Natürlich werden sich die Spezifikationen der weiteren ePA-Entwicklungen nicht vollständig mit den bisher erarbeiteten Spezifikationen der Krankenkassen- Akten decken, da muss unter Umständen nachjustiert werden. Für uns als Sana ist entscheidend, dass uns das E-Health Network genau die Flexibilität ermöglicht, unterschiedliche Szenarien abzubilden. Insofern sehen wir uns für die kommenden Jahre sehr gut gerüstet.“

Providermodelle für mittlere und kleine Krankenhäuser? 

Das dürften Krankenhäuser ohne große Trägerschaft eher nicht so sehen. Denn der Aufbau einer IHE/ FHIR-Plattform inklusive Repositories oder ähnlicher Architekturen ist für sie oftmals nicht realisierbar. Bernd Christoph Meisheit ist aber davon überzeugt, dass sich attraktive Providermodelle etablieren werden, über die kleinere und mittlere Krankenhäuser auf große Plattformen zugreifen können, ohne diese selbst zu entwickeln und zu betreiben.

Zwei Herausforderungen sieht er mit Blick auf die Einführung der gematik-konformen ePA dennoch: den notwendigen und möglichst schnellen Umstieg von einem unstrukturierten auf einen strukturierten Datenaustausch unter Berücksichtigung von LOINC und SNOMED. Und die Gewährleistung auf Vollständigkeit der Akte: „Ziel der gematik-konformen Akte ist, den Patienten als Eigentümer seiner Daten zu etablieren, der Daten nach Gutdünken löschen oder unsichtbar schalten kann. Für die Versorgung und die Kommunikation zwischen Leistungserbringern ist das jedoch eine Katastrophe. Schließlich kann sich der Arzt nicht darauf verlassen, alle relevanten Daten angezeigt zu bekommen. Meiner Meinung nach muss man die Akte also weiterdenken und zusätzlich eine Art Versorgungsakte etablieren mit – der entsprechenden Verlässlichkeit für den Leistungserbringer.“

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