• JiveX Experts

Dass die Digitalisierung der Medizin die Versorgung optimiert und die Lebensqualität der Menschen verbessert, ist ein Fakt, den mittlerweile selbst Fortschrittsfeinde nicht mehr bestreiten können. Selten wurde diese Tatsache aber so offenkundig und direkt dargelegt wie beim neuesten Mitglied der JiveX Healthcare Connect Familie, JiveX Experts. Die webbasierte Plattform hilft zum Beispiel dabei, seltene Erkrankungen sicherer zu diagnostizieren – auch, wenn die behandelnde Ärztin keine Expertin auf dem Gebiet ist. Alles, was sie dafür tun muss: in ihrem Webbrowser einen standardisierten Fragebogen ausfüllen.

Okay, vielleicht muss sie noch radiologische Bilddaten oder andere Dokumente hochladen. Mehr aber auch nicht. Sie braucht dafür weder eine extra Software noch den direkten Draht zu einem anerkannten Spezialisten.

Der entscheidende Vorteil: JiveX Experts erfüllt die strengen datenschutzrechtlichen Anforderungen für den Austausch medizinischer Daten. Damit steht ein schneller, unkomplizierter und sicher nutzbarer Weg offen, um valide Konsilantworten von ausgewiesenen Spezialisten zu erhalten. Antworten, die das Leben der von dem Befund betroffenen Menschen nachhaltig beeinflussen.

Automatisieren und skalieren

Natürlich muss der standardisierte Diagnosepfad, der hier abgefragt wird, initial erstellt werden. Hier liegt der Ursprung des Produkts. JiveX Experts bietet eine Lösung für ein Problem, das direkt aus der Praxis an unsere Entwicklerinnen und Entwickler herangetragen wurde. Besagtes Problem liegt darin, dass Spezialwissen über viele Erkrankungen nur zufällig oder über Umwege in die reguläre medizinische Versorgung gelangt – wenn überhaupt. Das Ergebnis: Menschen mit selteneren oder komplexen Erkrankungen haben oft eine mehrjährige Pilgerreise von Arztpraxis zu Arztpraxis hinter sich, bevor sie eine Diagnose erhalten. Die therapeutischen Versäumnisse, die daraus resultieren, sind dann möglicherweise bereits irreversibel.

Wir stellten uns die Frage, wie medizinisches Spezialwissen hürdenlos in die Arztpraxen der Republik gelangt, ohne dass die Spezialistinnen und Spezialisten den Patientinnen und Patienten und deren Ärteschaft begegnen müssen. Unser Anspruch war, eine skalierbare Lösung zu entwickeln, die nicht nur auf einen konkreten Fall (ein Krankheitsbild) anwendbar ist, sondern eine Vielzahl potenzieller Szenarien abdeckt. Dafür mussten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen sollte dem Anwendenden ein barrierefreier Einstieg durch die ausschließliche Nutzung der vorhandenen IT-Infrastruktur ermöglicht werden. Als kleinsten gemeinsamen Nenner wurde der Zugriff auf die Plattform über herkömmliche Webbrowser erkannt. Zum anderen war es notwendig, sowohl textuelle als auch binäre Informationen, zum Beispiel radiologische Bilddaten, über die Plattform erfassen zu können. Bei der Erfassung der textuellen Informationen wurde ein besonderes Augenmerk auf die strukturierte Erfassung der Informationen gelegt. Dies ermöglicht eine möglichst stark automatisierbare Weiterverarbeitung der Daten. Alle erfassten Daten sollten streng fallbezogen erfasst werden, damit der gemeinsame Kontext über die gesamte Kommunikationskette erhalten bleibt.

Passgenaue Lösungen mit Perspektive mit JiveX

VISUS als Plattformbetreiberin

Unserer Entwicklungsabteilung kam zugute, dass bereits bestehende Lösungen, wie JiveX Upload, große Datenmengen sicher über das Web hochgeladen und in Krankenhäuser weitergeleitet werden können. Auch die Erfahrungen rund um den Informationsaustausch mit DICOM E-Mail und der Betrieb der Infrastruktur des europaweit größten Teleradiologienetzwerks waren von Vorteil.

Neben diesen alten Pfaden betraten wir bei der Entwicklung von JiveX Experts aber auch relatives Neuland, denn das Unternehmen tritt als Plattformbetreiberin auf. Dieser Schritt war sinnvoll, weil möglichst viele Anwendungsfälle über die Plattform laufen sollten und wir als Betreiber in der Lage sind, gemeinsam mit Partnerunternehmen diese Anwendungsfälle zu entwickeln.

Möglich wurde diese Entwicklung nur durch die nahtlose Zusammenarbeit von unserem Innovationsmanagement und unserem JiveX Healthcare Connect Team mit seiner besonderen Struktur als sogenanntes DevOps-Team (Development und IT Operations). Hier arbeiten erstmals die Softwareentwicklung und Softwarebetreibende in einem Team zusammen. Diese Zusammenarbeit hat den Vorteil, dass für den Betrieb notwendige Anpassungen an der Software auf kurzen Wegen an die Entwickelnden zurückgespielt werden können. Die Arbeit im DevOps-Team ist damit vergleichbar zu der Produktentwicklung mit dem sogenannten Design-Thinking-Ansatz, bei dem Produktdesignerinnen und -designer in engen Abstimmungsintervallen die Wünsche der Anwendenden so lange umsetzen, bis das aus Anwendungssicht perfekte Produkt entstanden ist.

Technisch basiert die Plattform auf modernen Architekturmustern (Microservices), Entwicklungsframeworks (React) und Virtualisierungstechnologien (Docker, Kubernetes), die die notwendige Skalierbarkeit des Systems auch unter hoher Last sicherstellen. Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz moderner Technologien einen sehr hohen Automatisierungsgrad im Entwicklungs- und Betriebsprozess sowie eine toolgestützte und einfache Auslieferung und Inbetriebnahme der Software (Continuous Delivery).

Die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von JiveX Experts ergeben sich aus dem Basisanwendungsfall der strukturierten Erfassung einer Anfrage mit begleitenden Informationen und der Erfassung einer strukturierten Antwort sowie deren Rückmeldung. Kundenumfragen zur Qualitätssicherung können genauso realisiert werden wie Zweitmeinungsportale für Patientinnen und Patienten oder Konsilplattformen für Ärztinnen und Ärzte. Wie JiveX Experts eingesetzt wird, entscheiden am Ende die Kundinnen und Kunden. VISUS ist hier offen für Projektvorschläge.

 



Eine Lösung für axSpA

Die Initialzündung für die Entwicklung von JiveX Experts entstand aus einem gemeinsamen Projektantrag von Prof. Xenonfon Baraliakos, Prof. Denis Poddubnyy, der MedEcon Telemedizin und dem VISUS-Innovationsmanagement. Als weltweit anerkannte Spezialisten für die axiale Spondyloarthritis (axSpA), einer chronischen Autoimmunkrankheit aus dem rheumatischen Spektrum, suchten sie nach einem Weg, den Leidensweg der Betroffenen durch eine möglichst rasche Diagnostik zu verkürzen. Früh erkannt und behandelt können die Folgen der Erkrankung (starke Schmerzen und Versteifungen der Wirbelsäule) nämlich deutlich verzögert und sogar abgemildert werden.

Entscheidend war für die beiden die Möglichkeit zur hürdenlosen, zeit- und ortsunabhängigen Begutachtung eines Falles durch Spezialistinnen und Spezialisten. Diese sollte über einen standardisierten Fragebogen sowie genauer Instruktionen für die nötige Bildgebung erfolgen. Für das wissenschaftliche Projekt Improve-axSpA  entwickelte VISUS die Infrastruktur zur Bereitstellung, zum Ausfüllen der Konsilformulare sowie zum Austausch der medizinischen Informationen und zur automatisierten Rückmeldung der Ergebnisse an die empfangende Person.